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Zwischen Krisen und Hoffnung – Einblicke und Gedanken aus Kuba


17. April 2026

Kuba steht durch die Blockade-Politik und die Drohungen der USA erneut im Fokus der Weltöffentlichkeit. Doch wie erleben die Menschen vor Ort ihre Situation? Was gibt ihnen in schwierigen Zeiten Hoffnung? Wir haben Lisdainy Rodriguez, Theologin und Bildungsreferentin der Education Popular in unserer Partnerorganisation Centro Martin Luther King, gefragt. Ihre Antwort lesen Sie hier – im spanischen Original und in deutscher Übersetzung. Wenn Sie die Menschen auf Kuba und die Arbeit des Centros unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre finanzielle oder materielle Spende.

Allgemeinde Situation

Wie geht es Ihnen in der allgemeinen Situation?

Kuba befindet sich in einer vielschichtigen Krise, die sich unter anderem in einer Energie-, Nahrungsmittel-, Gesundheits-, Hygiene- und Wasserkrise sowie in Krisen in den Bereichen Bildung, Verkehr, Infrastruktur und Migration äußert.

Foto von Lisdainy Rodriguez

Was sind die größten Herausforderungen?

Die Energiekrise und die Versorgungsengpässe erschweren die Mobilität, und der Mangel an Lebensmitteln zwingt uns dazu, mit weniger Ressourcen kreativer umzugehen, um das Nötigste zum Leben zu haben.

Was sind Ihre größten Sorgen und Nöte?

  • Die Beschaffung der täglichen Lebensmittel.
  • Die geistige, körperliche, psychische und spirituelle Erschöpfung der Menschen aufgrund der Dauer dieser Situation und der zunehmenden Gewalt.
  • Den internationalistischen Geist in den neuen Generationen von Kubanern am Leben zu erhalten, die in einem Kontext prokapitalistischer Wirtschaftsreformen und Krisen leben.
  • Der Verfall des Gesundheits- und Bildungssystems, da es angesichts so vieler Engpässe und Einschränkungen nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Grundbedürfnisse

Verfügen Sie über genügend Grundnahrungsmittel?

Wir verfügen nicht über genügend Grundnahrungsmittel, da die Inflation im Land sehr hoch ist; daher reichen die Löhne nicht einmal aus, um das Nötigste zu kaufen.
Der Lohn reicht nicht zum Essen, daher können keine anderen Grundbedürfnisse gedeckt werden.
Es herrscht eine Verknappung auf dem staatlichen Markt, der nicht garantieren kann, dass die Geschäfte Lebensmittel in Landeswährung führen, weshalb die Menschen gezwungen sind, Lebensmittel in Dollar zu kaufen, und die große Mehrheit der Bevölkerung keinen Zugang dazu hat.

Wie sieht es mit Medikamenten aus?

Da Kuba von den Vereinigten Staaten blockiert wird, haben wir keinen Zugang zu Rohstoffen, um unsere Biotechnologieindustrie aufzubauen. Derzeit unternimmt die Regierung Anstrengungen, um die Grundmedikamente für Krankenhauspatienten und Menschen mit chronischen Erkrankungen sicherzustellen, doch dies gelingt ihr nicht. Daher überleben die meisten Menschen dank der Solidarität untereinander, dank Verwandten oder Freunden im Ausland, die ihnen Medikamente schicken können, oder dank der Solidarität von Institutionen wie dem Martin-Luther-King-Zentrum, das Spenden nutzt, um diese völlig kostenlos an Menschen zu verteilen, die sie benötigen.

Wie ist es mit Geräten, Strom, Mobilität etc.?

Seit mehreren Monaten gelangt aufgrund der US-Blockade kein Öl mehr nach Kuba; das führt dazu, dass das Land praktisch zum Stillstand gekommen ist. Da es keinen Treibstoff gibt, haben wir keinen Strom zum Kochen, zum Einfrieren von Lebensmitteln, zum Arbeiten, für die Wasserversorgung der grundlegenden Dinge oder für den öffentlichen Nahverkehr, um uns im Land fortzubewegen. Die größte Belastung in dieser Hinsicht tragen die Frauen.

Politische Situation

Wie sehr prägt Sie die politische Situation im Moment?

Psychologisch gesehen belastet uns die politische Lage stärker durch die Bedrohungen von außerhalb Kubas als durch jene von innen.
Wir werden ständig von der US-Regierung bedroht, die Kuba auf die Liste der Staaten gesetzt hat, die den Terrorismus unterstützen, und die uns ständig mit einer militärischen Intervention droht.
Auch die Konflikte in Europa und im Nahen Osten wirken sich auf uns aus.
Tatsächlich war es für das kubanische Volk sehr schwer, Fidel zu verlieren, und das Verhältnis zur nachfolgenden Regierung ist nicht gerade das beste.

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem?

Es gibt eine Gruppe, vor allem junge Menschen, die zwar in die Revolution hineingeboren wurden, von ihr aber nicht geprägt sind. Wie können wir diese jungen Menschen dazu bringen, ihren Lebenssinn und ihre Kampfmotivation zu finden und sich mit dem sozialistischen Projekt zu identifizieren?
Wie sollen wir uns mit dem sozialistischen Projekt identifizieren, wenn wir durch Entscheidungen, die außerhalb des Landes getroffen wurden, zu prokapitalistischen Reformen gezwungen wurden?

Auf welche politischen Entwicklungen hoffen Sie? Was müsste sich ändern?

Ich hoffe, dass das politische Subjekt, das aus dieser Zeit hervorgeht, ein politisches Subjekt für eine sozialistische Gesellschaft ist. Und dafür sollten wir an der Bildung einer neuen befreienden Subjektivität arbeiten und die Vertikalität beseitigen, also die Entscheidungsfindung, ohne die Menschen zu berücksichtigen, die in diesem Land leben. Ich hoffe, dass wir eine bessere politische Kommunikation und mehr Transparenz in der Regierungsführung im Allgemeinen erreichen können.

Blick in die Zukunft

Wie sehen Ihre Aussichten für die Zukunft aus?

Für die ferne Zukunft hoffe ich, dass wir einen Dialog zwischen den Ländern führen können und uns in Bezug auf unsere Souveränität und unsere Entscheidungen verständigen können.

Was ist ihre Hoffnung?

Meine Hoffnung liegt in den Gemeinschaften, die sich für Partizipation, Gemeinschaftskontrolle und die Auseinandersetzung mit den ideokulturellen Bedeutungen des Kapitalismus organisieren. Meine Hoffnung liegt in der Bildungsarbeit, die Organisationen wie das Martin-Luther-King-Jr.-Zentrum durch die Education Popular und kontextbezogene Befreiungstheologien leisten, um dieses neue politische Subjekt für eine sozialistische Gesellschaft zu formen, in der Wissen, Macht und Produktionsmittel verteilt werden.

Was gibt Ihnen im Moment Kraft, Zuversicht und Halt?

Im Moment geben mir die Menschen in Kuba viel Kraft, die nicht aufgeben, die fähig sind, das Wenige, das sie haben, zu teilen, einschließlich dessen, was sie an diesem Tag zu essen haben, ohne an das Morgen zu denken.
Kraft gibt mir die Zärtlichkeit der aktiven Solidarität, die Freundinnen und Freunde gezeigt haben, die uns besuchen, und zwar nicht als Almosen, nicht aus Mitleid, sondern im Sinne echter Horizontalität und politischer Solidarität.

Welche Unterstützung aus dem Ausland wäre für Sie besonders hilfreich?

Solidarität zeigt sich nicht nur in materieller Hinsicht. In diesem Sinne ist es für uns sehr hilfreich, wenn Sie der Welt die Situation in Kuba vor Augen führen.
Hilfreich sind für uns Sendungen mit Medikamenten, Lebensmitteln und Elektrogeräten wie Lampen, Ladegeräten und Ventilatoren.
Sehr hilfreich sind Geldüberweisungen, damit wir in Kuba Dinge kaufen können, die die Menschen hier benötigen.
Jede Geste, so klein sie auch sein mag, ist in Kuba sehr hilfreich und notwendig.

Abschließend möchte ich Ihnen für das Interview danken. Während ich schreibe, kommt mir ein wunderschöner Text aus Matthäus 25,40 in den Sinn: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Hier liegt das Herzstück des Evangeliums, und es lehrt uns, dass der Glaube nicht in Tempeln oder Ritualen verharren darf, sondern uns dazu aufruft, Gott im konkreten Antlitz des anderen zu finden, besonders in dem des Leidenden. Jede Geste der Solidarität wird zu einem fleischgewordenen Gebet, und ihr Kampf für Gerechtigkeit ist ein wunderschöner Akt der Anbetung Gottes.

La situación general

¿Cómo se encuentra en esta situación general?

Cuba está inmersa en una policrisis, que se traduce en crisis energética, alimentaria, de salud, de higiene y agua, de educación, de transporte, de infraestructura, migración, entre otras.

¿Cuáles son los mayores desafíos?

La crisis energética y el desabastecimiento dificultan la movilización física y la falta de alimentos, por lo que debemos ser más creativos con menos recursos, para tener lo mínimo indispensable para vivir.

¿Cuáles son sus mayores preocupaciones o dificultades?

  • Encontrar los alimentos cotidianos.
  • El agotamiento mental, físico, psicológico y espiritual de las personas por el tiempo que llevamos en esta situación y el aumento de la violencia.
  • Mantener vivo el espíritu internacionalista en las nuevas generaciones de cubanos, quienes viven un contexto de reforma económica procapitalista y crisis.
  • Deterioro de los sistemas de Salud y Educación porque no es posible mantenerlos con tantas carencias y limitaciones.

Necesidades básicas:

¿Dispone de suficientes alimentos básicos?

No disponemos de suficientes alimentos básicos, teniendo en cuenta que la inflación en el país es muy elevada; por tanto, los salarios no alcanzan para comprar ni siquiera lo mínimo indispensable.
El salario no alcanza para comer, por tanto no se puede cubrir ninguna otra necesidad básica.
Hay un desabastecimiento del mercado estatal, que no puede garantizar que las tiendas tengan alimentos en moneda nacional, por lo que las personas se ven obligadas a comprar alimentos en dólares, y la gran mayoría de la población no tiene acceso.

¿Qué tal con los medicamentos?

Al ser Cuba un país bloqueado por Estados Unidos, no tenemos acceso a comprar materias primas para desarrollar nuestra industria biotecnológica. En este momento se hace un esfuerzo por parte del gobierno para garantizar los medicamentos básicos de los pacientes hospitalizados y de las personas que padecen enfermedades crónicas, pero no lo logra, por lo que la mayoría de las personas están sobreviviendo gracias a la solidaridad entre ellas, a familiares o amigos en el extranjero que pueden enviarles, o a la solidaridad de instituciones como el Centro Martín Luther King, que utiliza los donativos para ser repartidos totalmente gratis a las personas que los necesiten.

¿Qué tal con los aparatos, la electricidad, la movilidad, etc.?

Hace varios meses no entra petróleo a Cuba producto del bloqueo de Estados Unidos; eso hace que estemos en presencia de un país completamente parado. Al no haber combustible, no tenemos electricidad para cocinar, congelar alimentos, trabajar, tener agua para las cosas indispensables o tener transporte público para moverse dentro del país. Las mayores cargas en este sentido las tienen las mujeres.

Situación política

¿En qué medida le afecta la situación política actual?

Psicológicamente, la situación política nos afecta más por las amenazas que vienen de fuera de Cuba que por las que vienen de dentro.
Estamos amenazados permanentemente por el gobierno de Estados Unidos, que incluyó a Cuba en la lista de países patrocinadores del terrorismo y que constantemente nos amenaza con una intervención militar.
También nos afectan los conflictos en Europa y Medio Oriente.
Realmente, para el pueblo cubano fue muy duro perder a Fidel, y la relación con el gobierno posterior no ha sido la mejor.

¿Cuál considera que es el mayor problema?

Hay una franja, sobre todo de jóvenes, que nacieron con la revolución pero que no están impactados por ella. ¿Cómo podemos hacer que estos jóvenes encuentren sus sentidos de vida, sus motivos de lucha y se identifiquen con el proyecto socialista?
¿Cómo logramos identificarnos con el proyecto socialista cuando, por decisiones ajenas al país, nos han obligado a hacer reformas procapitalistas?

¿Qué avances políticos espera? ¿Qué debería cambiar?

Espero que el sujeto político que emerja de este tiempo sea un sujeto político para una sociedad socialista. Y para ello deberíamos trabajar en la formación de una nueva subjetividad liberadora y eliminar la verticalidad, la toma de decisiones sin tener en cuenta a las personas que vivimos en el país. Espero que podamos lograr una mejor comunicación política y mayor transparencia en la gestión de gobierno en general.

Una mirada al futuro:

¿Cuáles son sus perspectivas para un futuro lejano?

Para un futuro lejano, espero que podamos dialogar entre los países y podamos entendernos en nuestra soberanía y decisiones.

¿En qué tiene puestas sus esperanzas?

Mi esperanza está en las comunidades que se organizan para la participación, el control popular y la disputa de sentidos ideoculturales al capitalismo. Mi esperanza está en el trabajo formativo que hacen organizaciones como el Centro Martín Luther King Jr a través de la educación popular y las teologías contextuales de la liberación para la formación de ese nuevo sujeto político para una sociedad socialista, donde se distribuya el saber, el poder y los medios de producción.

¿Qué es lo que le da fuerzas, confianza y apoyo en este momento?

En este momento me dan mucha fuerza las personas en Cuba que no se rinden, que son capaces de compartir lo poco que tienen, incluso lo que tienen para comer en ese día, sin importar el mañana.

Me da fuerzas la ternura de la solidaridad activa que han tenido amigas y amigos que nos visitan y lo hacen no como asistencia, no por lástima, sino con el sentido real de la horizontalidad y la solidaridad política.

¿Qué tipo de apoyo del extranjero le resultaría especialmente útil?

La solidaridad no está solo en lo material. Partiendo de aquí, nos resulta muy útil esta denuncia que hacen al mundo de la situación en que se encuentra Cuba.
Nos resulta útil el envío de medicamentos, alimentos, cosas eléctricas como lámparas, cargadores, ventiladores.
Es muy útil el envío de dinero para poder hacer compras en Cuba de cosas que las personas necesiten aquí.
Todo gesto, por pequeño que sea, en Cuba resulta muy útil y es necesario.

Por último, agradecerles por la entrevista. Mientras escribo, viene a mí un texto hermoso de Mateo 25:40: „Todo lo que hicieron a mis hermanos necesitados, a mí me lo hicieron“. Aquí está el corazón del evangelio, y nos enseña que la fe no puede quedarse en templos o rituales, sino que nos llama a encontrar a Dios en el rostro concreto del otro, especialmente del que sufre. Cada gesto de solidaridad se convierte en oración encarnada, y su lucha por la justicia es un acto hermoso de adoración a Él.

Ende des Interviews.

Weitere Beiträge und Fotos finden sich in unserem Kuba-Blog sowie über den Instagram-Kanal @weltverantwortungevlks.

Maleon in Havanna. Foto von Lisdainy Rodriguez.