
Cambia todo cambia – Alles ändert sich
22. Februar 2025
Als sächsische Delegation sind wir gut auf Kuba angekommen und wurden im Centro Martin Luther King in Havanna herzlich begrüßt. In diesem Blogbeitrag schreiben wir über unsere Ankunft und unseren ersten Tag dort.
Blogbeitrag von Christine Müller (erster Teil) und Miriam Meir (zweiter Teil)
Ankunft im Centro
„Cambia todo cambia“. Alles ändert sich. So auch für mich der Eindruck bei der Ankunft im Centro (CMMLK) Martin Luther King jr 21.30 Uhr Ortszeit. Pflanzen überall im Hof, frisch gestrichene Wände, schönes Zimmer und auch noch um diese Zeit (6 Std. Zeitunterschied zu Deutschland) ein vorzügliches Abendessen. Da bin ich doch sehr gespannt auf die kommenden Tage.
Freitag, 21.2.
Nach sieben Jahren bin ich wieder mit einer Gruppe im Centro und fühle mich als Teil der Familie. Umarmungen, Küsschen. Die Koordinatorin Izett Hernandez empfängt uns mit ihrem Team: Die technische Organisatorin, Daya, der Theologe Rudiel, der vor zwei Jahren an der Ökumenischen Tagung in Meißen teilgenommen hat, Liz, Theologiestudentin, Jasmani als Assistent, der Theologie studieren wird. Sie stellen uns das Programm vor und wir klären organisatorische Dinge.

Am Nachmittag haben wir die Möglickeit, die Arbeit des Centros kennenzulernen, die wir im Laufe der Woche noch näher betrachten werden. Das Centro wurde mit Unterstützung der Pastors for Peace aus den USA 1987 von Pastor Raul Suarez gegründet, dem Pfarrer der Baptistischen Kirche in Marianao, Stadtteil von Havanna. Im Centro befinden sich die Bildungsabteilungen, die in drei Zonen in Kuba arbeiten: Westen, Osten und Zentralkuba. In einem kleinen Büro arbeiten zwei Menschen der MST (Landlosenbewegung in Brasilien), die die Zusammenarbeit von Centro und MST organisieren.
Danach hatten wir die Möglichkeit, unsere medizinischen Hilfsmittel und diverse Arzneimittel abzugeben. Gleichzeitig erfuhren wir, dass das Centro diese Sachen bedürftigen Menschen zur Verfügung stellt. Ein Arzt und eine Psychologin begleiten das Projekt. In Kathastrophenfällen versucht das Centro mit diesen Dingen betroffene Regionen zu unterstützen.
Die Baptistische Kirche „Ebenezer“
Am Nachmittag unseres ersten Tages regnete es. Ein Segen für den reich bepflanzten Innenhof, der sonst bewässert werden musste. Etwas bedauerlich jedoch für uns, da wir eigentlich vorhatten das Kunstprojekt Fusterlandia zu besuchen. Stattdessen durften wir noch tiefer in die Geschichte des Centros und der baptistischen Gründerkirche Ebenezer eintauchen.

Die Kirche steht direkt neben dem Centro. Sie ist schlicht eingerichtet. In hölzernen Reihen können die Besuchenden Platz nehmen. Vorne steht ein Altar mit buntem Kreuz. An der Wand grüne und weiße Stoffe, hinter denen sich das begehbare Taufbecken verbirgt. An der hinteren Wand hängen bunte Bilder. Mittig ein Herz in zwei Händen mit der Überschrift „servir es amar“ – Dienen ist Lieben.
Rudiel, selbst baptistischer Theologe und Pädagoge der education popular, schenkt uns Einblicke in die Geschichte der Kirche und die Entwicklungen, welche zur Gründung des Centro Martin Luther King führten. Die Gemeinde, so meint er, sei anfangs eher von wohlhabenden, mehrheitlich weißen Kubaner:innen geprägt gewesen. In der Nachbarschaft hingegen lebten von Armut betroffene Menschen, mehrheitlich Schwarze. In den 70er Jahren kam die Idee auf, sich über das Gemeindeleben hinaus für diakonische Aufgaben zu engagieren und in die Nachbarschaft hineinzuwirken. Prägend hierfür war das Ehepaar Raul Suarez und Clara Rodes, welche als baptistische Pastor:innen wirkten.
Der Prozess der diakonischen Ausrichtung wirkte über mehrere Jahre und war nicht frei von Konflikten. Als Raul Suarez als Pastor von seiner Kirche abgesetzt werden sollte, stellte sich die Gemeinde hinter ihn. Die diakonische Arbeit wuchs weiter bis die Gemeinde sich 1987 zur Gründung des Centros entschied. Der Namensgeber Martin Luther King stand für alles, wonach sie sich sehnten: Verankerung in der christlichen Spiritualität, eine diakonische Ausrichtung und der friedliche Kampf für Menschenrechte. Seither hat sich viel verändert. Das Centro, seine Netzwerke und die Schwerpunkte wuchsen stetig und weiteten sich aus. Heute steht die Arbeit auf vier Säulen: Pädagogik im Rahmen der education popular, Theologie der Befreiung, lokale und globale Solidarität sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Geschichte der Gründung und Entwicklung des Centro Martin Luther Kings bewegte mich sehr. Wie war es möglich, Menschen für diesen Wandel zu inspirieren und zu motivieren? Es scheint als habe die diakonische Ausrichtung im Kleinen einen Stein ins Rollen gebracht der nach und nach zu einer Lawine des Engagements wurde. Heute bildet das Centro vor allem Multiplikator:innen aus, welche diesen Wandel in verschiedene Regionen Kubas und Länder Lateinamerikas weitertragen. Während des Hörens habe ich mich oft gefragt, ob und wie so eine Entwicklung auch in Sachsen möglich wäre.
Der Abend klang mit einer kleinen Reflektion und einem Bier auf der Terrasse aus.
Weitere Beiträge und Fotos finden sich in unserem Kuba-Blog sowie über den Instagram-Kanal @weltverantwortungevlks.
